Rezension: Der kleine Laden der einsamen Herzen – Annie Darling

_DSC_0271Posy Morland hatte es immer schwer im Leben. Als sie einen kleinen, heruntergekommenen Buchladen in Bloomsbury erbt, scheint sich ihr Glück endlich zu wenden. Sie plant, den Laden neu zu eröffnen und dort nur Liebesromane mit Happy Ends zu verkaufen. Denn traurige Geschichten gibt es im wahren Leben ja genug. Doch Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, hat andere Pläne für den Laden und legt Posy Steine in den Weg, wo er nur kann. Dummerweise ist Sebastian auch schrecklich attraktiv – und der unverschämteste Kerl in ganz London. Findet zumindest Posy. Und rächt sich auf ihre Weise: Sie schreibt selbst einen Roman namens Der Wüstling, der mein Herz stahl – mit Sebastian als Held zum Verlieben … (Quelle: Penguin)


Es gibt Bücher, die klingen auf den ersten Blick gut und dann beginnt man zu lesen und möchte das Buch an die Wand schmeißen. Ich war hin- und hergerissen zwischen abbrechen und weiterlesen. Der Anfang hat es mir schwer gemacht und vom Rest war ich die meiste Zeit doch eher genervt.

Ich werde versuchen, mich nett auszudrücken: Posy erbt eine Buchhandlung, aber Sebastian, der Enkel der Verstorbenen, hat andere Pläne mit dem Grundstück. Die beiden kennen sich schon lange und beleidigen sich gegenseitig seit ihrer Kindheit. Aber weil er ja so gutaussehend ist, findet Posy es auch überhaupt nicht schlimm, wenn er ihr Äußeres beleidigt. Im Gegenteil: sie beginnt einen Roman im Nackenbeißer-Stil zu schreiben, in dem sie ihre Fantasien auslebt, wie er sie flachlegt. Mehr erspare ich mir zum Inhalt. Diese Romanstellen waren glücklicherweise eigene Kapitel und ich habe sie nach zwei gelesenen Kapiteln übersprungen. Das konnte ich einfach nicht lesen. Was mir genauso Kopfschütteln bereitet hat, waren die gegenseitigen Beleidigungen. Da war nichts, dass man als Necken bezeichnen kann. Es ging bloß darum, wie fett, hässlich oder unfähig der andere ist. Das findet Posy natürlich insgeheim absolut unwiderstehlich und ihre Freunde ziehen sie damit auf, dass zwischen den beiden sicherlich die Funken fliegen. Hilfe.

Klingt das alles nach Klischees für euch? Dann liegt ihr goldrichtig. Die Autorin hat sich an den nervigsten Rollenklischees bedient. Und ich rede nicht von dem „Roman“ im Roman. Ich rede davon, dass Sebastian der stinkreiche Kerl ist, der einen Sportwagen fährt und ein Model zur Freundin hat und Posy das hässliche Entlein ist, dass ihn anhimmelt, obwohl er sie verbal mit Füßen tritt. Ich habe Shades of Grey ja nicht gelesen, aber ist das da nicht auch ungefähr so? Dieses „der unverschämteste Kerl in ganz London“ aus dem Klappentext – dieser Spruch taucht alle paar Seiten auf und man kann ihn fast im Chor mit Posy sprechen.

Wären die Protagonisten also wenigstens sympathisch gewesen, hätte man über das eine oder andere vielleicht noch hinwegsehen können. Aber stattdessen scheint bloß alles ohne Sinn und Verstand zusammengeschustert. Im einen Moment ist Posy Feuer und Flamme für die Neueröffnung ihrer Buchhandlung und hat Ideen über Ideen und im nächsten Moment läuft ihr der Sabber aus dem Mund, weil Sebastian sie mal wieder beleidigt hat, weil sie einen Kugelschreiber in der Hand hält (oder ähnlich plausible Erklärungen dafür). Aber er sieht gut aus, das kann man ihm also nicht übel nehmen. Versteht ihr, warum mir das Buch den letzten Nerv geraubt hat?

Die Lichtblicke waren für mich die Szenen, in denen es nur um die Buchhandlung ging. Da kam Leidenschaft für Bücher zutage und ich hätte mir viel mehr davon gewünscht. Das habe ich aber nicht bekommen, wobei genug Potenzial vorhanden gewesen wäre. Stattdessen habe ich eine Geschichte bekommen, in der die Protagonistin ihre wahre Liebe findet, weil sie mit einem Kerl ins Bett geht, der sie beleidigt, schlecht macht und mies behandelt. Wirklich ganz wunderbar.

Im Internet habe ich gesehen, dass es weitere Bücher mit den Personen aus der Geschichte geben wird und ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich lesen will. Vermutlich nicht. Von mir gibt es absolut keine Leseempfehlung.


 

Der kleine Laden der einsamen Herzen – Annie Darling
Originaltitel: The Little Bookshop of Lonely Hearts
Penguin Verlag • Taschenbuch
Mai 2017 • 400 Seiten • 10,00€
ISBN: 978-3-328-10098-0 • Übersetzt von Andrea Brandl

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8 Gedanken zu “Rezension: Der kleine Laden der einsamen Herzen – Annie Darling

  1. Hey,
    oh nein. Das Buch steht noch auf meiner Wunschliste, weil ich Bücher rund um Buchhandlungen mag. Aber mit solche Klischee-Charaktere werde ich leider auch gar nicht warm. 😦
    Nun bin ich ehrlich unentschlossen, ob das Buch von der Wunschliste fliegt…hmm.

    Danke für die ehrliche Rezension!

    Liebe Grüße,
    Anna

    Gefällt 1 Person

  2. Huhu,

    danke für die Rezension. Die ersten Zeilen klangen ja wirklich, als hätte man es lesen wollen können, doch das, was du weiter beschreibst, wäre sicher nicht nach meinem Geschmack. Ohne dich hätte ich es vielleicht gekauft, hätte ich es entdeckt. Und mich dann vermutlich sehr geärgert.

    LG
    Taaya

    Gefällt 1 Person

    1. Klar, man sollte sich ja sowieso eine eigene Meinung bei Büchern bilden.
      Und auch negative Rezensionen machen ja neugierig und manchmal gefällt einem genau das, was den anderen gestört hat.

      Liebe Grüße
      Miriam

      Gefällt mir

      1. Liebe Miriam,
        das stimmt. Negative Rezensionen bleiben mir meist auch eher im Gedächntis, weil sie einfach neugierig machen 🙂 Oft lohnt es sich, dann noch mal einen genaueren Blick auf das Buch zu werfen.
        Liebe Grüße
        Svenja

        Gefällt 1 Person

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