[Bücher] Reif für die Insel – Bill Bryson

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Was ist das für ein Land, in dem so unaussprechliche Namen wie Llywyngwril auf den Ortsschildern stehen? Wo Kekse gereicht werden, die jedes Gebiss bedrohen? Von den Kalkfelsen Dovers bis ins raue schottische Thurso erkundet Bryson die eigentümliche Welt jenseits des Ärmelkanals und kommt zu dem Schluss: England muss man einfach lieben – ganz gleich, wie wunderlich es einem zuweilen erscheinen mag. (Quelle: Goldmann Verlag)


Ich hatte ein Problem während des Lesens: Die Selbstverliebtheit des Autors. Ja, ich weiß jetzt, dass seine Bücher in jeder englischen Buchhandlung stehen, er alles mit Stil löst und sowieso ganz ganz toll ist. Ich wollte aber gerne lesen, warum England ganz ganz toll ist – sollte es nicht darum im Buch gehen? Um die Reise des Autors, was er erlebt hat?

Bekommen habe ich 400 Seiten Beschreibungen von Landschaften und des Autors selbst. Natürlich, England ist ein Land mit wunderschöner Landschaft und die gehört nicht unerwähnt. Aber nach den ersten Kapiteln stellte sich bei mir schon Ernüchterung ein. Das Buch ist von 1999. Der Autor hat mit dieser Reise die Reise wiederholt, die er in den 70ern schon einmal gemacht hat. Das Problem war nun, dass oftmals nicht erkennbar war, von welcher Reise nun gesprochen wurde, weil so oft in der Zeit gesprungen wurde. Wir erfahren viel darüber, wie sich der Boden unter den Füßen beim Wandern anfühlt und wie groß die Pfützen auf den Straßen sind. Und in wie vielen Buchhandlungen die Bücher des Autors im Schaufenster standen. Natürlich. Über Städte, Orte und das Land selbst erfährt man eher wenig.

Kam es zu einer Beschreibung eines Ortes oder einer Stadt, dann wurden diese meistens schlecht gemacht, sie seien hässlich, keinen Besuch wert und warum Menschen dort freiwillig leben würden? Im nächsten Satz war es dann die ganz große Liebe zwischen Autor und England. Ich weiß nicht warum. Ich hatte beim Lesen von Anfang an das Gefühl, dass der Autor viel lieber weg wollte. Eigenarten der Einwohner wurden als unsympathisch und unfreundlich hingestellt. Wäre ich nicht schon so oft in England gewesen und wüsste es besser, hätte ich spätestens jetzt keine Lust mehr, dorthin zu reisen. Ich hätte mir gewünscht etwas mehr über Land und Leute zu erfahren. Vielleicht ein paar nette Anekdoten eines Amerikaners in England. Vielleicht hätte man das Buch anders aufziehen müssen. Nicht als „England für Anfänger und Fortgeschrittene“, sondern als das, was es ist: Ein liebloser Bericht über Böden und Pfützen.

Nun steht der Nachfolger dieses Buches, das 2016 erschienen ist, in meinem Regal und ich werde ihm eine Chance geben. Vielleicht ist Bill Bryson mir sympathischer geworden. Vielleicht aber auch nicht. Dieses Buch kann ich jedenfalls leider nicht empfehlen, wenn man vorhat, das erste Mal nach England zu reisen und sich etwas in das Land hineinlesen will.


 

 

Reif für die Insel. England für Anfänger und Fortgeschrittene von Bill Bryson
Originaltitel: Notes from a Small Island | Reihe: – | Übersetzung: Sigrid Ruschmeier | Verlag: Goldmann, März 1999 | Ausgabe: Taschenbuch | Seiten: 416 | Preis: 8,99€

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